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Matrize für ein Projekt zur ländlichen Entwicklung |
1. Grundsätzliche Richtlinien 1.1 Einführung Vieles ist schon über die ländliche Entwicklung in unserem Land gesprochen worden. Zahlreiche, um nicht zu sagen unzählige, Projekte hat man zu diesem Thema gestartet, sowohl auf offizieller als auch auf privater Ebene. In vielen Fällen macht man einen guten Anfang und dann... Welches sind die Gründe, dass man mit einzelnen Personen oder auch mit ganzen Projekten erfolglos bleibt? Welches sind Gründe dafür, dass trotz vieler Anstrengungen die ländliche Armut in unserem Land nicht weniger wird? Wieso bleiben die Ideen und das Wissen, das man zu verbreiten versucht, nicht "kleben"? Kann es sein, dass das Modell des Projektes, das wir einzuführen versuchen, nicht das Passende ist? Oder ist es möglich, dass die Projektinitiativen nur unsere Vision sind und nicht die des Landesvolkes? - Die Schere zwischen den Armen und den Reichen öffnet sich in unserem Land immer mehr. Diese Situation ist ein fruchtbarer Nährboden für Ideen und extremistische Bewegungen, die den Kampf zwischen den Klassen fördert und den sozialen Frieden auf nationaler Ebene verwirrt und in Gefahr bringt. Die ländliche Unzufriedenheit, ob jetzt gerechtfertigt oder nicht, ist eine Zeitbombe. Und es ist Zeit diese zu deaktivieren. Von Seiten der Mennonitenkolonien in Paraguay ist schon seit mehreren Jahrzehnten an Projekten zur ländlichen Entwicklung gearbeitet worden - mit Erfolgen und Misserfolgen. Da haben wir das Projekt von ASCIM mit 13.000 indianischen Bewohnern des zentralen Chacos, das COVESAP - Projekt mit 700 Kleinbauern-Familien in der Umgebung der Kolonie Friesland, das COVEPA - Projekt mit 240 Kleinbauern-Familien in der Umgebung der Kolonie Volendam, das YAPAY - Projekt mit 750 Kleinbauern-Familien im Süden der Kolonie Menno und das COVE-PIRIZAL in der Nachbarschaft der Kolonie Neuland mit rund 100 Kleinbauernfamilien. Durch die jahrelangen Erfahrungen, insbesondere in den letzten 3-4 Jahren, haben wir verschiedene Lektionen gelernt und positive Erfahrungen gesammelt, welche wir in der folgenden Matrize festhalten wollen. 2. Die 16 Prinzipien für eine erfolgreiche ländliche Entwicklung a.) Grundeinstellung Wenn wir von einer ländlichen Entwicklung sprechen, können wir nicht nur vom wirtschaftlichen Bereich sprechen, auch wenn dieser Aspekt noch so wichtig ist. Es ist erforderlich, die "Bauern-Problematik", wenn wir das mal so definieren wollen, in aller Breite und Vielfalt zu untersuchen. Der mögliche Erfolg einer wirtschaftlichen Verbesserung, wenn man das Glück hat diese zu erlangen, unterliegt ganz einfach einem Berg von Problemen in anderen Bereichen. Die wirtschaftliche Verbesserung kann und muss der Wagen sein, mit dem sich die ganzheitliche Entwicklung weiterbewegt, aber die Erziehung, die Fortbildung, die gemeinschaftliche und kooperative Organisation, die Beratung in der Produktion, die Gesundheit und die Infrastruktur sowie z.B. Wege usw., dürfen aber trotzdem nicht vernachlässigt werden. Die Einstellung, dass sich mit Geld jegliche Probleme und Notwendigkeiten lösen und befriedigen lassen, ist total verkehrt. Diese Einstellung ist aber leider oft da. Es ist daher wichtig, ein ganzheitliches Projekt auszuarbeiten, welches den jeweiligen Gruppen, Gesellschaftsschichten, Departamenten usw. angepasst wird. b.) Eine Mentalitätsänderung anstreben "Die ländliche Armut in unserem Land ist mehr ein mentaler - kultureller Zustand als ein physisch - materieller." Das klingt hart, aber dem ist so, zumindest in vielen Fällen. Sieht man die fruchtbaren Böden unserer Feldern, das herrliche Klima (mit Ausnahme des Chacos) und beobachtet man die Tatsache, dass jeder die Möglichkeit hat, Land zu erwerben (seien es viele Hektar oder nur ein kleines Feld) um die eigenen Mandioka anzupflanzen, taucht unumgänglich die Frage auf: Wieso leiden Menschen Hunger? - Kann es sein, dass ein historisches Paradigma, von jemanden Reichen und Mächtigen abhängig zu sein, es unseren Kleinbauern unmöglich macht, mit Eigeninitiative an der wirtschaftlichen Lage zu arbeiten? Kann es sein, dass der Kleinbauer sich in dieser Situation so wohl fühlt, dass er sie gar nicht ändern will, und dass er unser Drängen zur eigenen Unabhängigkeit sogar als Belästigung empfindet? Wie können wir diesen Teufelskreis "einer hat nicht, weil er arm ist, einer ist arm, weil er nicht kann, und einer kann nicht, weil er nicht hat" brechen? Die Antwort darauf ist: Erziehung, Fortbildung, für sich selber denken lassen usw. Wie die Situation auch sei, wir müssen erreichen, dass die Mentalität "Der Arme, der nicht kann" sich umändert in "Person mit Willen, Kapazität und Entschiedenheit zur Sinnesänderung". Den biblischen Vers umschreibend "Alles ist möglich, dem der da glaubt", können wir an dieser Stelle sagen: "Vieles ist möglich, dem der da glaubt, im positiven Sinne des Wortes." Mit Intelligenz, Weisheit und Tüchtigkeit müssen wir Mut machen und die Bevölkerung darin anleiten, sich von der Führerschaft und den Politikern loszumachen um sich in eine starke Hauptfigur des eigenen Wohls und Schicksals zu verwandeln. Ohne dies sind alle Projekte zur ländlichen Entwicklung notdürftige Auswege und werden es auch bleiben. Sie sind im besten Fall gute Projekte, die helfen, eine kurze Zeit besser zu überstehen. c.) Planung des Projekts von Zellen der Ausstrahlung und mit aktiver Beteiligung der jeweiligen Begünstigten Für solche hochstrebenden Projekte wie die zur Verbesserung des Lebensniveaus, gilt es, gute Pläne zu erarbeiten. Das Problem löst sich nicht durch Verteilung billiger Kredite. In dieser Planung muss man polarisiert denken um Entwicklungswellen und -beispiele hervorzurufen, die die Nachbarn in den Entwicklungsprozess mit einbeziehen. Es ist unmöglich, systematisch zu denken, d.h., man kann kein Projekt entwerfen, das für alle gleich ist, denn es handelt sich hier nicht um Systeme, sondern um Menschen, um Gemeinschaften in ihrer Eigenartigkeit und ihren eigenen Bedürfnissen, an welchen man das Projekt anpassen sollte. Man sollte aber ein System herstellen, welches eine Beziehung zwischen den Bedürfnissen und Eigenartigkeiten der Kleinbauern in den verschiedenen geografischen Zonen unseres Landes herstellt. Noch eine andere Sache: In der Planung der Projekte ist es sehr wichtig, dass man die Leiter der Gemeinschaften mit einbezieht und nicht unbedingt die Leiter der schon bestehenden ländlichen Organisationen, deren Ziele nicht immer transparent und positiv sind. Aber es ist undenkbar, die Begünstigten des Projekts in der Planung nicht mit einzubeziehen, denn sie sollen mit der Zeit nicht von "dem", sondern von "ihrem" Projekt sprechen. Dies wird ihre Mentalität formen und sie werden entsprechend mitarbeiten. d.) Mit dem Konzept der Eigeninitiative und Selbstverwaltung arbeiten Dieser Punkt verbindet sich sehr eng mit dem vorigen. Man muss eine Struktur entwickeln, in der die Initiative von den Kleinbauern selbst kommt und in der sie lernen, Verantwortung für ihre eigene Entwicklung und ihren eigenen Wohlstand zu tragen. Obwohl es hart klingt, ist es empfehlenswert, eine langsame und weniger komplette Entwicklung zu riskieren und dabei die Eigeninitiative und Selbstverwaltung parallel laufend entwickeln zu lassen. Dies ist besser als hohe Ziele unter einer fremden Leitung erreichen zu wollen. Dieser Aspekt fordert viel Wissen und Weisheit von Seiten der Verantwortlichen des Projekts, die einen Ausgleich zwischen den zwei Leitungsmöglichkeiten finden müssen. Hier handelt es sich um die schon erwähnte Mentalitätsänderung bei der ländlichen Bevölkerung, die eine gesunde und andauernde Selbstentwicklung ermöglichen würde. e.) Die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor: Public-Privat Partnership Viel ist schon von dem Modell der Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und privaten Bereich gesprochen worden. Wenn diese Zusammenarbeit irgendwo funktionieren kann und muss, dann ist es in der ländlichen Wirtschaftsentwicklung! Wieso? Erstens: Der Staat ist der Verantwortliche in der Entwicklung des Landes, besonders für die weniger Begünstigten. Der Staat hat zu internen und externen Finanzierungsquellen besseren Zugang und kann dadurch solche Programme besser unterstützen. Aber der Staat besteht aus Personen, die nur für eine gewisse Zeit einen Posten besetzen. Heute sind es die Personen, die für etwas verantwortlich sind, morgen sind es andere, mit anderen Denkweisen. Dazu kommt noch, dass der Staat nicht permanent und überall mitwirken kann. Zweitens: Privatsektore wie beispielsweise der Finanzsektor, die Industrie, die großen Agrarwirtschafter, Viehzüchter, Kooperativen, Geschäftsmänner usw., wirtschaftlich besser dran, sind nicht auf Asunción oder einem spezifischen geografischen Rahmen innerhalb unseres Landes beschränkt. Genauso ist es auch mit den Lebensräumen von extrem armen Personen. Es gibt zwei Welten, aber diese sind nicht geografisch voneinander getrennt, sondern sie sind ineinander verbunden und gemischt. Wer also sollte mehr daran interessiert sein, dass die eigenen Nachbarn ein würdiges Lebensniveau erlangen, als der private Betriebssektor? Ein Sprichwort lautet: "Ein erfolgreicher Betrieb hat keine Zukunft in einer Umgebung der Misere." Nach diesen Ansichtspunkten gibt es nichts Logischeres als die Suche nach einer Kooperation, angeleitet von dem Modell des Public-Privat Partnerships, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Aber wie? f.) Das Projekt der Entwicklung sollte lokal unterstützt werden Nach dem Konzept des Modells der öffentlichen und privaten Teilnahme sollte die Planung der generellen Entwicklungspolitik, der Festigung und Lokalisierung der Zellen oder Entwicklungspolen und ihrer Organisation gemeinsam durchgeführt werden. Für diesen Zweck könnte man ein zusammengesetztes Wesen unter dem Namen "Departamento de Desarrollo Rural" (DDR) - Departament für ländliche Entwicklung - gründen. Die Finanzierung des Projekts sollte größtenteils vom Staat ausgehen, aber eine Beteiligung des Privatsektors (in Form von Dienstleistungen und Personal) sollte nicht ausgeschlossen werden. Die Durchführung und Leitung der Projekte sollte lokal geschehen, da es wichtig ist, eine gute Nachbarschaft herzustellen, ein Solidaritätsgefühl zu entwickeln und sich gegenseitig in den verschiedenen Bestandteilen der Gemeinschaft zu unterstützen. Das Anleiten der Projekte kann das Departament für ländliche Entwicklung an Kooperativen abgeben, oder, wo keine existieren, Gruppen oder Unternehmungsklubs gründen, die das Projekt mit ihrer Hilfe und Begleitung anleiten. g.) Langfristige Planung der Projekte Wenn man bedenkt, dass sich die Mentalität der Kleinbauern ändern muss, dass sie ihre Abhängigkeit abbauen müssen, dass die Eigeninitiative und Selbstverwaltung erst erlernt werden müssen, kann man nicht von kurzfristig bedachten Projekten sprechen. Aus Erfahrung wissen wir, dass diese Art von Projekten nicht nur über Jahre, sondern über Jahrzehnte geplant werden muss. Eine Änderung der Mentalität und der Werte oder kulturelle Gegenwerte ist ein langfristiges Thema. h.) Absolute Neutralität der Partei- und Religionspolitik Projekte dieser Art (vom Staat, Privatsektor oder in Zusammenarbeit angeleitet) sollten sich für den Menschen als Nachbarn, und nicht für seine politische oder religiöse Gesinnung interessieren. Wenn man dies nicht in Betracht zieht, würde die selbstlose Motivation, die das Projekt anspornt, in Frage gestellt und der Erfolg riskiert werden. Dies sollte eine bedingungslose Basis sein. Irgendwelche Aktivität und partei-politische oder religiöse Proselytenmacherei an eine Gruppe der Beteiligten des Projekts sollte getrennt von der Organisation und der Führerschaft des Projekts laufen. i.) Problemstellung auf Kooperation und Unterstützung, und nicht so sehr auf Hilfe Dies würde das Selbstbewusstsein und die Menschenwürde stärken und den Prozess zur Loslösung der komplexen Abhängigkeit der Kleinbauern beschleunigen. Außerdem würde es die Verbundenheit mit dem Projekt und das Übernehmen von Verantwortungen erleichtern. Das Stärken der Selbstwertschätzung und des Vertrauens in sich selber, in seine eigenen Stärken, Gelegenheiten und Möglichkeiten, ist ein Faktor mit zunehmender Wichtigkeit für Erfolg auf lange Sicht. Die ganzen Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn großzügige Spender das Projekt anleiten, werden immer weniger, wenn der Einzelne mehr an sich selbst glaubt. Es fördert auch zugleich ein reelles Solidaritätsgefühl, welches darin besteht (wie der aktuelle Staatspräsident bei einer Gelegenheit sagte), das zu teilen, was man hat und nicht darin, zu geben, was übrig bleibt. j.) Schlüsselthema: Organisation Einheit macht stark und Uneinigkeit schwach. Hier handelt es sich um eine andere endemische Täuschung des paraguayischen Bauern. Jeder einer arbeitet für sich und wird in seiner Individualität und Abgesondertheit von den Geschäftsleuten im wahrsten Sinne des Wortes ausgenutzt. Man sollte mit einer sehr einfachen Form beginnen, nämlich mit den so genannten "Produktionskomitees", die mit einer einfachen aber effizienten Verwaltungsstruktur, welche auf Vertrauen zwischen den Kleinbauern basiert, arbeiten. So lernen sie gemeinsam zu arbeiten, sich zu respektieren, Aufgaben zu erfüllen und Rechte zu genießen, Verantwortung zu übernehmen, zu unterstützen und unterstützt zu werden, konstruktiv zu kritisieren, gemeinsame Güter zu verwalten, auf kurze und lange Sicht zu planen, gemeinsam Rechte zu verteidigen usw. Die Produktionskomitees, die weise geleitet werden, können standhafte Schulungen für demokratisches und kooperatives Denken sein. Die Organisation der Kooperative ist das Endziel, und inzwischen sollen Produktionskomitees geformt werden. Dieser Prozess sollte nicht zu sehr gedrängt werden. Die Kleinbauern müssen erst verstehen lernen, dass die Kooperative keine magische Institution ist, die für jedes Problem eine Lösung parat hat. Um eine erfolgreiche Kooperative zu gründen, muss der Formungsprozess gut verstanden worden sein. k.) Fortbildung und Erziehung Es reicht nicht aus, den Bauern Kredite zu geben, sondern sie müssen befähigt werden, in einer effizienten Form zu produzieren. Der Mangel an Wissen und angepasster Information in den verschiedenen Bereichen (nicht nur in der Produktion) erschwert und bremst die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung der ländlichen Kleinbauern. Aus diesem Mangel entstand das Bedürfnis nach Gesprächen und Kursen. Die Themen, die Präsentation und die Durchführung dieser Kurse müssen so einfach und praktisch wie möglich sein. Empfehlenswert ist es auch, sie in ihrer Muttersprache (Guaraní) durchzuführen, da diese am besten zu den Herzen und Denkweisen unserer Kleinbauern gelangt. Unser Ziel ist es nicht, ihnen "die Fische zu geben", sondern "sie fischen zu lehren". Die Erziehung und die Vermittlung von ethisch-christlichen Werten sind fundamental. l.) Nicht schenken und geben Das Wort "Projekt" ist im ländlichen Verständnis ein Synonym für "Strömung von süßem und billigem Geld". Dies produziert aber eine Abhängigkeit. Spenden sind in Sonderfällen wichtig, wenn es darum geht, Leben zu retten, aber in der Regel sollte man nicht schenken, sondern anspornen, ihre eigenen Güter und Begünstigungen durch eigene Arbeit zu erlangen. Die Unheil bringenden Konsequenzen der Schuldenerlassungen an die Kleinbauern sind, politisch gesehen evident, nämlich im so genannten "Marzo paraguayo". Die Finanzierungen sollten unter den best möglichen Bedingungen verteilt, im letzten Fall auch refinanziert werden, aber schenken sollte man auf keinen Fall, denn das schafft ein negatives Paradigma, das sich ständig wie ein Schneeball vergrößert. Güter und Begünstigungen, die man durch eigene Anstrengungen und Arbeit angeschafft hat, würdigen den Menschen. Immer nur Geschenke und Almosen zu erhalten und sich dies als Lebensform anzueignen, entwürdigen ihn. m.) Begrenzte und solide Kredite Ein anderer "kultureller Komplex" in unserem Land ist, dass alles mit Krediten bezahlt werden muss: Die Vorbereitung des Bodens, die Saat, die Produktionsgeräte, die Betreuung des Angepflanzten, die Ernte, die Vermarktung, die Ernährung und das Leben währenddessen - alles läuft auf Kredite. Niemand kalkuliert die enormen Finanzkosten, die dieser Kredit-Teufelskreis produziert. Letztendlich bleibt dem Kleinbauern kein Gewinn und die Kredittragödie beginnt von neuem. Das Sparen und die Selbstfinanzierung des Produktionsprozesses sind unbekannte Konzepte. Es ist ein sehr wichtiger, aber schwieriger Erziehungsweg, die Kredite auf das Notwendigste zu beschränken und die solide Verantwortung des Komitees für die Kredite zu stärken. Das Komitee (und nicht der Bauer) erhält die Kredite, es verteilt sie und muss für sie gerade stehen. Der Bauer wird vom Komitee zur Verantwortung gezogen, welches seine Mittel und Wege hat, diese Kredite auf demokratische Art und Weise zu verwalten. Diese Mittel und Wege sind dieselben, die auch in unseren Kooperativen angewandt werden. n.) Die Kleinbauern an dem Ort und auf dem Niveau, wo sie sich aufhalten, suchen, und von da aus den Entwicklungsprozess beginnen. Und ein anderer Punkt: In ihrem Rhythmus fortschreiten. Es hat keinen Sinn, die Bauern mit Technologien und modernen Maschinen zu überfallen, wenn sie mit Pferden reiten. In allen Fällen unterrichten wir die Bauern in der Direktsaat! Es hat auch keinen Sinn, den Hausfrauen den Gebrauch der modernsten Elektrowaren zu erklären, wenn sie auf dem "Tatakuá" (traditioneller Lehmofen) oder im Kohlenherd kochen. Lehren wir sie, zum Anfang, gute und nährvolle Rezepte mit ihren Mitteln zu kochen und zu backen. Es hat keinen Sinn, Druck auf sie auszuüben um schneller Erfolge zu erzielen, wenn sie dafür noch nicht vorbereitet sind und das Wissen nicht mit der Geschwindigkeit aufnehmen, wie wir es gerne hätten. Wir müssen sie in dem kulturellen, technologischen und ökonomischen Niveau aufsuchen, in welchem sie sich befinden, und von da aus Strategien entwerfen wie sie sich stufenweise und sicher entwickeln können. o.) Innerhalb der wirtschaftlichen Beratung nicht die Vermarktung vernachlässigen Dieser Aspekt bedarf einer speziellen Widmung. Die Verbesserung und der Aufschwung der wirtschaftlichen Produktion in den Zonen der Kleinbauern sind von großer Bedeutung - haben aber keinen Sinn, zumindest auf Anpflanzung bezogen - wenn die Produkte nicht verkauft werden können. Von daher die enorme Wichtigkeit der Organisation, der gemeinsamen Arbeit, der Qualitätsverbesserung und der gemeinsamen Vermarktung. Wie viele Beispiele von Kleinbauern haben wir, die Gemüse, Gründünger und anderes mit viel Energie und Begeisterung anpflanzten, deren Ernte aber keinen Gewinn einbrachte, weil sie nicht auf den Markt gebracht wurde. An dieser Stelle sollte man vorbeugen. Der Preis (nicht nur die Finanzierung!) ist zu hoch. p.) Die Rolle der Frau in der paraguayischen Gesellschaft anerkennen und festigen Trotz des regierenden "Machismus" in unserem Land, hat die Frau einen hohen Einflussgrad in der paraguayischen Gesellschaft - auch wenn viele es nicht wahr haben wollen. Dieser Einfluss hat sich besonders im ländlichen Bereich unseres Landes bemerkbar gemacht. Aber wenn man von Entwicklungsprojekten spricht, denkt man an ökonomische Produktion und an den maskulinen Teil der Bevölkerung, anstatt an ein globales und integrales Konzept der Entwicklung zu denken. Von daher und auch die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in Betracht nehmend, kommt es, dass wir den Frauen eine große Wichtigkeit als Beteiligte und ihren großen Einfluss in der Entwicklung von Projekten zuschreiben. Dies spiegelt sich nicht nur in Weiterbildungskursen wider, in denen sie spezielle Fortbildungen in Sachen Haus, Hof und Familie erhalten, sondern auch in Gesprächen über Technik und Bürgerpflichten, Rechte und Aufgaben, Möglichkeiten und Fähigkeiten. So wird es ihnen ermöglicht, aktiv in der Entwicklung ihrer Gesellschaft mitzuwirken. Wir möchten es aber auch nicht unterlassen, zu betonen, wie wichtig die Frau ihre Rolle als Ehefrau, Mutter, Erzieherin, Verwalterin des Hauses (in vielen Fällen auch Verwalterin des Geldes), Begleiterin und beste Freundin des Ehemannes, Beraterin, Stabilisatorin in Krisensituationen, Vermittlerin von Werten usw. usw. nehmen sollte. Von ihr, von ihrer Integrität, ihrer Moral und ihren Werten hängt ein großer Teil der Qualität und der Gesundheit im familiären Leben ab. Eines der höchsten Prioritäten eines Projekts zur ländlichen Entwicklung sollte sein, diese Qualitäten zu bilden und zu festigen, denn eine gesunde und integrale Gemeinschaft und Gesellschaft baut sich auf gesunden und integralen Familien auf. 3. Ziele und Methoden 3.1 Aktuelle Situation unseres Landes In Paraguay gibt es Zonen, in denen man durchschnittlich von weniger als einem U$-Dollar pro Tag lebt. In den letzten Jahren hat sich in einigen Gruppen die Vision gefestigt, diesen Menschen bessere Möglichkeiten für eine ausgeglichenere Entwicklung zu bieten. Die Bedürfnisse in diesen Zonen sind Folgende: a.- Selbstverwaltung Im Bereich der Selbstverwaltung findet man immer noch große Defizite. Der Individualismus und Egoismus sind noch stärker als der Sinn für Zusammenarbeit und Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Im Allgemeinen glaubt man immer noch, dass die nationale und lokale Regierung sich für alle Aktivitäten in der Gesellschaft verantwortlich zu machen hat. Nur auf einigen Stellen formen sich Produktionskomitees, welche aus zehn Mitgliedern, d.h. zehn Familien bestehen. Diese Komitees könnten im Laufe der Zeit zum Fundament für Kooperativen werden. b. Wirtschaftliche Produktion Die Mehrheit der Einkommen der Kleinbauern kommt von der wirtschaftlichen Produktion. Die wesentlichen Schwierigkeiten für die Kleinbauern sind die Monokultur (die sich während vielen Jahrzehnten festgesetzt hat), die nicht rentablen Produktionsmethoden, abgenutzte Böden, niedrige Leistungen, unstabile Preise, und - dank dieser Umstände - wenig Motivation und Eigeninitiative. Auf Grund der nationalen Wirtschaftskrise stehen Kleinbauern in vielen Fällen keine Kredite mehr zur Verfügung. Die wenigen zu verteilenden Kredite tragen einen sehr hohen Zinssatz, was wiederum den Bauern die Möglichkeit nimmt, einen Gewinn zu erlangen. Ein anderes Problem ist die fehlende Beratung im technischen Bereich. Die Böden verschlechtern sich jedes Jahr und als Folge davon kann der Kleinbauer im besten Fall jährlich einen kleinen Gewinn erzielen. Die Monokultur, d.h. ein fehlendes System der Mannigfaltigkeit in der Anpflanzung trägt dazu bei, dass sich die Situation jährlich verschlechtert. Die kleine Anbaufläche, die den Bauern zur Verfügung steht, könnte durch andere Anpflanzungsmethoden besser genutzt werden. Wenn man dieses Produktionssystem nicht verbessert, ist eine rapide Verarmung der Bevölkerung für die Zukunft unaufhaltsam. c.) Vermarktung Die Vermarktung ist eines der Hauptprobleme der Kleinbauern im Innland unseres Landes. Weil innerhalb der Gemeinschaften nicht administrative Strukturen existieren, ist eine gemeinsame Vermarktung fast unmöglich. Den größten Nutzen innerhalb des jetzt existierenden Vermarktungssystems haben die Zwischenhändler. Die fahrenden Händler erwerben die Agrar-Produkte zu sehr niedrigen Preisen und die Bauern haben nicht die Möglichkeit, höhere Preise zu verlangen. In einigen Fällen ist es sogar so, dass die Zwischenhändler den Bauern die Saat und die Betreuung des Angepflanzten schon vorfinanziert haben. Der Grund für diese Situation ist die Unfähigkeit zur Selbstverwaltung und der Mangel an Vertrauen untereinander. Dies führt zu großen Defiziten innerhalb der Agrar-Produktion. d. Wege Der paraguayische Staat, die Departamentsverwaltungen und die Kommunen sollten sich für die Erhaltung der Wege innerhalb der ländlichen Gemeinschaften verantwortlich machen. Aber weder die nötigen Mittel, noch die organisatorischen Fähigkeiten stehen dafür zur Verfügung. Auch die Bewohner der jeweiligen Zone haben logischerweise nicht die nötigen Mittel dazu. Auf Grund der konstanten Niederschläge und ein mangelhaftes unprofessionelles Erhalten der Wege sind die Wege in der Regel in einem schlechten, unbefahrbaren Zustand. Trotz der Tatsache, dass die Mehrheit der Wege nur von Pferdewagen, Motorrädern und Fahrrädern befahren wird, ist der Eindruck, den die Wege hinterlassen, wichtig. Eine Gemeinschaft mit schlecht erhaltenen Wegen gibt ein Bild der Unterentwicklung ab. e. Erziehung Aus Mangel an Eigeninitiative gibt man in diesen Gemeinschaften in der Regel nicht Kurse für Kleinbauern, Hausfrauen, Jugendlichen usw. In einigen Fällen machen sich das Wirtschaftsministerium und einige anderen Institutionen dafür verantwortlich, Kurse zu organisieren. Aber eine konstante Aktualisierung und die entsprechende Nacharbeit werden unterlassen. Von großer Wichtigkeit sind die Leiterschaftskurse. Die Grundschulausbildung charakterisiert sich auch in den meisten ländlichen Gemeinschaften durch verschiedene Defizite. Der öffentliche Sektor hat große Schwierigkeiten damit, die Bedürfnisse des Erziehungsbereiches in den ländlichen Zonen abzudecken. Auch die Lehrer haben nicht die Möglichkeit, sich in irgendwelcher Form weiterzubilden um das Erziehungsniveau zu verbessern. Ausgehend von der Tatsache, dass die Erziehung das Fundament zur Verbesserung des Lebensniveaus ist, ist ein radikaler Wandel unumgänglich. Wenn wir von dieser ländlichen Problematik sprechen, wollen wir noch wieder die schon erwähnte sehr wichtige Rolle der Frau in dieser Entwicklung und die Notwendigkeit ihrer Weiterbildung unterstreichen. Für die Hausfrauen gilt es ein spezielles Programm zu entwickeln, das zusätzlich zu Gesprächen über Bürgerrechte und Technik Themen bietet, die die Wichtigkeit der Frauenrolle betreffen: "Ehefrau, Mutter, Erzieherin, Verwalterin des Hauses (in vielen Fällen auch Verwalterin des Geldes), Begleiterin und beste Freundin des Ehemannes, Beraterin, Stabilisatorin in Krisensituationen, Vermittlerin von Werten usw. usw. nehmen sollte. Von ihr, von ihrer Integrität, ihrer Moral und ihren Werten hängt ein großer Teil der Qualität und der Gesundheit im familiären Leben ab. Eines der höchsten Prioritäten eines Projekts zur ländlichen Entwicklung sollte sein, diese Qualitäten zu bilden und zu festigen, denn eine gesunde und integrale Gemeinschaft und Gesellschaft baut sich auf gesunden und integralen Familien auf. Diese Fortbildung der Frauen sollte unter anderem folgende Themen bieten: Vorbereitung von Essen, die Nährwerte der verschiedenen Lebensmittel, Nähen, Gemüsegarten, Ehe- und Familienerziehung, Familienplanung, vorbeugende Gesundheit, Hausverwaltung, Hauswirtschaftsverwaltung, Formung und Vermittlung von Werten, Gemeinschaftserziehung, kleine Familienbetriebe usw. f. Gesundheit Auf Grund der schon beschriebenen Situation ist es nicht nötig, die Bedürfnisse im Gesundheitsbereich in einzelnen Details zu beschreiben. In vielen Gemeinschaften funktioniert nicht mal ein kleines Gesundheitszentrum. Oft werden ärztliche Sprechstunden in Privathäusern abgehalten. Die Impfkampagnen werden durchgeführt, aber ohne viel Kontrolle. Das Konzept der vorbeugenden Gesundheit muss in Zukunft noch sehr gefördert werden. 3.2 Generelle Ziele
![]() Das Ziel des Projekts ist die Verbesserung des Lebensniveaus der Beteiligten. Aber die größte Herausforderung der Arbeit besteht in der Methodologie, die man einsetzt, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Wie schon erwähnt, versucht man, Methoden einzusetzen, die nicht Abhängigkeit produzieren. Aus diesem Grund gibt man auch in der Regel kein Bargeld raus und verschenkt auch nichts. In erster Linie will man die Eigeninitiative und Selbstverwaltung fördern. Die Verbesserung des Lebensniveaus fordert eine integrale Methodologie, denn in allen Aktionsbereichen existieren viele Notwendigkeiten und Bedürfnisse. Das Arbeitssystem in dieser Anfangsetappe des Projekts basiert auf sechs Säulen: Selbstverwaltung, wirtschaftliche Produktion, Vermarktung, Wege, Erziehung und Gesundheit. Für eine folgende Etappe des Projekts erweitert sich die Methodologie auf allen Bereichen. Sie nennt sich "Integrales System mit vielfachem Ansatz" (S.I.E.M.). Das integrale System mit den genannten sechs Aktionsbereichen kann in der zweiten Etappe mit neuen Schwerpunkten erweitert werden. Im Bereich der Selbstverwaltung kann man das Schwergewicht auf Sicherheit und der Gründung von Vor-Kooperativen legen, im Bereich der wirtschaftlichen Produktion auf Wiederaufforstung, Säuberung des Waldes, Bienen- und Fischzucht und Milchproduktion, im Bereich der Vermarktung auf Export und wirtschaftliche Ausstellungen, im Bereich der Wege auf neue Wege, im Bereich der Erziehung auf mehr Fortbildungskurse für Leiter, Jugendliche und Hausfrauen, und im Gesundheitsbereich auf Gesundheitsförderer und Familienplanung. Der Vorteil der S.I.E.M.-Methodologie ist, dass die Schwerpunkte in den einzelnen Bereichen je nach Bedürfnissen erweitert werden können. Fundamental ist in diesem Sinne das langfristige Arbeiten im Projekt. 4. Plan der Aktivitäten in den sechs Bereichen des Projekts a. Selbstverwaltung
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